Kaffee, Klima, Krise: Wer zahlt den Preis für unseren Genuss?

Erstellt von Tessa von Richthofen von der Romero Initiative -

Am 17. Oktober 2026 laden wir gemeinsam mit der Romero Initiative zu „Kaffee, Klima, Krise: Wer zahlt den Preis unseres Genusses?“ in die Späth’schen Baumschulen ein.

Was hat unsere tägliche Tasse Kaffee mit der Klimakrise, Frauenrechten und Migration in Honduras zu tun? 

KAFFEE gehört für viele Menschen in Deutschland zum Alltag. Doch hinter jeder Tasse stehen Kaffeebäuer*innen, deren Lebensgrundlage zunehmend durch die Klimakrise bedroht wird. Honduras zählt zu den wichtigsten Kaffeeexportländern der Welt und spürt die Folgen steigender Temperaturen, unregelmäßiger Niederschläge, extremer Wetterereignisse und der Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten besonders stark. Die Folgen: sinkende Ernten, wachsende Armut, fehlende Zukunftsperspektiven und zunehmende Migration. Ausdruck einer globalen Krise, deren Ursachen und Auswirkungen eng mit unserem Konsum und den internationalen Handelsstrukturen verbunden sind.

Yenis Goméz, Benigna Ramos und Adelina Vásquez aus Honduras berichten von den Herausforderungen, vor denen Kaffeeproduzent*innen und ländliche Gemeinschaften heute stehen. Ihre Botschaft: Die Folgen der Klimakrise sind längst Realität und treffen insbesondere jene Menschen, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Gleichzeitig sind die Ursachen und Auswirkungen eng mit globalen Handelsstrukturen, politischen Maßnahmen und unserem Konsumverhalten verbunden.

Foto: Yenis Goméz

Unsere Gäste im Portrait:

Yenis Goméz repräsentiert die neue Generation honduranischer Kaffeeproduzentinnen. Sie setzt sich für nachhaltigen Kaffeeanbau, die Stärkung von Frauen und jungen Menschen sowie für die Zukunftsfähigkeit des Kaffeesektors ein. In ländlichen Spar- und Kreditgruppen engagiert sie sich für einen besseren Zugang zu Finanzierung und bringt praktische Erfahrungen im Umgang mit den Folgen der Klimakrise mit.

Foto: Benigna Ramos

Benigna Ramos ist Kaffeeproduzentin mit langjähriger Erfahrung und engagiert sich für die Stärkung von Frauen im Kaffeesektor. Sie berichtet aus erster Hand über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Kaffeeanbau und darüber, wie kleinbäuerliche Produzent*innen durch gemeinschaftliche Organisation widerstandsfähiger gegenüber ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen werden können.

Foto: Adelina Vásquez CDH

Adelina Vásquez ist eine Menschenrechtsverteidigerin und geschäftsführende Direktorin des Centro de Desarrollo Humano (CDH) in Honduras. Sie arbeitet zu Klimagerechtigkeit, Ernährungssicherheit und den Rechten indigener Frauen. Adelina begleitet von der Klimakrise betroffene Gemeinschaften und verbindet deren Erfahrungen mit einer Einordnung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Europas Kaffeedurst / Deutschlands Kaffeedurst

Kaffee ist eines der bedeutendsten Welthandelsgüter überhaupt. Kaum ein anderes Agrarprodukt verbindet den Alltag von Konsument*innen in Europa so unmittelbar mit den Lebensrealitäten von Millionen Kleinbäuer*innen im Globalen Süden. In Deutschland gehört Kaffee fest zur Alltagskultur. Mit durchschnittlich 161 Litern pro Kopf und Jahr ist er das meistkonsumierte Getränk des Landes, und damit das zweitbeliebteste Getränk nach Wasser. Deutschland zählt zu den größten Kaffeemärkten Europas und ist einer der wichtigsten Importeure und Weiterverarbeiter von Kaffee weltweit. Ein Teil des hier konsumierten Kaffees stammt aus Honduras, dem größten Kaffeeexporteur Mittelamerikas. Deutschland ist der wichtigsten Abnehmer honduranischen Kaffees und damit eng mit den Produktionsbedingungen vor Ort verbunden. Zwar wächst auch der Markt für nachhaltig zertifizierten Kaffee - inzwischen trägt rund jede fünfte Kaffeepackung in Deutschland ein Nachhaltigkeitssiegel - doch der Anteil von Fairtrade-Kaffee bleibt mit 5,3 Prozent Marktanteil vergleichsweise gering. Auch das Coffee Barometer 2026 zeigt, dass die strukturellen Probleme der Branche weiterhin bestehen: Die Einkommen vieler Produzent*innen liegen noch immer unter einem existenzsichernden Niveau, während der größte Teil der Wertschöpfung in den Konsumländern verbleibt. 

 

Honduras: Ein Land des Kaffees 

Für Honduras ist Kaffee die wirtschaftliche Lebensader des Landes. Rund 110.000 Familien beziehen ihr Haupteinkommen aus dem Kaffeeanbau. Etwa 95 Prozent der Produzent*innen sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die meist nur wenige Hektar Land bewirtschaften. Insgesamt sichert der Kaffeesektor den Lebensunterhalt von rund einer Million Menschen. Kaffee trägt rund 30 Prozent zum landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt bei und macht fast ein Viertel der gesamten Exporte des Landes aus. Honduras ist heute der größte Kaffeeexporteur Mittelamerikas sowie einer der wichtigsten Kaffeeproduzenten weltweit. Der Erfolg des honduranischen Kaffees basiert vor allem auf kleinbäuerlicher Produktion. Die Höhenlagen des Landes mit ihren fruchtbaren Böden bieten ideale Bedingungen für hochwertigen Arabica-Kaffee, der international geschätzt wird. Doch genau diese Bedingungen geraten zunehmend unter Druck. 

Wie die Klimakrise den Kaffeeanbau bedroht 

Die Klimakrise ist in Honduras längst Realität. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, Dürren, Starkregen und die zunehmende Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen setzen den Kaffeeanbau massiv unter Druck. Besonders betroffen ist Arabica-Kaffee, die wichtigste Kaffeesorte weltweit. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass sich die weltweit geeigneten Anbauflächen für Kaffee bis 2050 um etwa die Hälfte verringern könnten. Die Auswirkungen zeigen sich bereits heute. Kaffeebäuerinnen wie Benigna Ramos berichten von unberechenbaren Regenzeiten, zunehmenden Dürren und Ernteverlusten. Höhere Temperaturen begünstigen zudem Krankheiten wie den Kaffeerost (Roya) und Schädlinge wie den Kaffeekirschenbohrer. Auch Yenis Gómez erlebt die Folgen unmittelbar: In manchen Jahren kam es zu erheblichen Verlusten bei der Kaffeeernte. Für viele Familien bedeutet dies sinkende Einkommen und wachsende Unsicherheit. Besonders dramatisch sind die sozialen Folgen. Wenn Kaffee keine ausreichenden Einnahmen mehr bringt, verlassen viele junge Menschen ihre Gemeinden. Klimakrise und Migration verstärken sich gegenseitig: Sinkende Erträge führen zu Einkommensverlusten, Arbeitskräfte wandern ab und die Produktionskosten steigen weiter. Die Auswirkungen reichen bis nach Europa. Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern tragen bereits heute zu steigenden Kaffeepreisen bei. Gleichzeitig warnen Expert*innen davor, dass hochwertiger Kaffee künftig knapper werden könnte. Wenn Politik und Unternehmen die Kosten der Klimaanpassung weiterhin auf die Produzent*innen abwälzen, drohen zunehmende Armut, mehr Migration, der Verlust von Kaffeeanbaugebieten und eine weitere Verteuerung des Kaffees.