Der Weltacker-Jugendrat

Über den Jugendrat

Seit 2022 begleitet uns der Weltacker-Jugendrat – ein spannendes Projekt, das junge Menschen in Berlin zusammenbringt. Sie haben alle ein Ziel: Mitbestimmung in der Berliner Ernährungspolitik!

Zwei junge Erwachsene halten ein orangenes Banner vor der Ballustrade des Balkons um es aufzuhängen. Das Banner verkündet den Slogan 'Alle an einen Tisch', darunter ist das Weltacker Jugendrat Logo abgebildet. Im Hintergrund sind Hausdächer zu sehen, im Vordergrund stehen an den Seiten Skulpturen und eine Büste abgeklebter Augenpartie. Foto: Jörg Farys

Worum geht’s genau?

In den letzten Jahren haben die jungen Mitglieder gezeigt, warum es so wichtig ist, unsere Ernährung zu verändern. Sie haben eigene Ideen entwickelt, wie alle mitentscheiden können, wenn es um die Zukunft unserer Ernährung geht. Ein Höhepunkt: Ein Bericht mit Forderungen wurde an den Berliner Senat übergeben – ein starkes Zeichen für mehr Mitbestimmung! Jetzt geht es weiter! Der Jugendrat startet ein neues Projekt, diesmal mit dem Fokus auf ein sozial gerechtes Ernährungssystem. Die Gruppe möchte herausfinden, wie sie selbst aktiv werden kann, welche Herausforderungen es auf diesem Weg gibt und wie eine Ernährung für alle fair gestaltet werden kann. Außerdem sollen noch mehr junge Erwachsene motiviert werden, sich ebenfalls für die Ernährungswende einzusetzen. Dank der Förderung des Zukunftspakets konnten für 2024 viele spannende Aktionen geplant werden. So führen die Teilnehmenden Interviews mit anderen jungen Menschen, erstellen kreative „Mental Maps“ und organisieren eine beeindruckende Kunstausstellung. Ein Highlight ist ihr selbst gebautes Koch-Lastenrad, das sie bei Veranstaltungen begleitet – inklusive leckerer Küfa (Küche für alle). Eine Reise zu inspirierenden Ernährungsprojekten in Süddeutschland brachte außerdem viele neue Ideen. Den Abschluss des Projekts bildet ein großes Event am 14. Dezember im Subversiv e. V.. Mit elektronischer Musik, leckerem Essen und einer Kunstausstellung möchten die engagierten jungen Menschen ihre Arbeit präsentieren und weitere Mitstreiter*innen gewinnen. Der Weltacker-Jugendrat setzt sich dafür ein, die Stimmen junger Generationen in der Ernährungswende hörbar zu machen. Mit kreativen Ideen und starkem Engagement leistet die Gruppe einen wichtigen Beitrag für mehr soziale Gerechtigkeit im Berliner Ernährungssystem.

Logo von Stark gemacht! Jugend nimmt Einfluss

Mehr Aktuelles zum Jugendrat

Kleiner Acker – große Atmosphäre - Ein Tag voller Begegnungen, Ackertouren und Inspiration bei der Saisoneröffnung auf dem Weltacker Pankow.

Erstellt von Katharina Rein-Fischböck vom Weltacker Berlin e. V. -

Nice Vibe!!! – sagte eine neue Freiwillige aus Peru zu mir, als ich sie gefragt habe, wie sie den Tag empfindet. Am frühen Nachmittag startete unsere Saisoneröffnung nicht nur mit einem bunten Programm, sondern mit einer klaren Botschaft: Globale Zusammenhänge lassen sich nicht nur lernen, sie müssen erlebt werden. 

Die Moderation von Jana Siedenhans führte den Nachmittag mit einer seltenen Mischung aus Lebendigkeit, Wärme und Herz durch das Programm. Sie schuf sofort eine Atmosphäre, in der sich alle willkommen fühlten – ob alt oder jung, neue oder langjährige Anhänger:innen des Weltackers. 

Menschen sitzen auf Bänken auf einer Wiese. Sie schauen 2 Personen zu, die sich unterhalten. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen. Moderatorin Jana Siedenhans im Gespräch mit Katharina Rein-Fischböck bei der Weltacker Saisoneröffnung

Nach der Vorstellung des Programms übernahm MdB Juliane Schneider (Grüne) das Wort. Ihr Grußwort berührte: Sie zog eine kraftvolle Linie von unserem kleinen Acker in Pankow zur globalen Textilindustrie und den dort herrschenden Ungerechtigkeiten. Mit Bezug auf ihren kürzlichen Besuch in Bangladesch machte sie deutlich: Man weiß vieles theoretisch, doch erst das Sehen und Erleben treibt uns zum Handeln an. Der Weltacker ist genau dieser Ort des Erlebens. Dass sie ihre Worte nicht nur sprach, sondern symbolisch handelte, indem sie – genau wie die anderen Politiker:innen an diesem Tag – einen Beerenstrauch pflanzte, war ein starkes Signal für unser gemeinsames Wachstum. 

Zu sehen ist ein Hängematten-Fahrrad mit links einem Bücherregal voller Bücher und zwei Kindern in Hängematten auf einer Wiese. Das Hängemattenfahrrad der Bibliothek Pankow

Doch dann ging es erst richtig los! Die Bibliotheken Pankow zauberten mit einer Kinderbuchlesung Lachen und Staunen in die Runde. Bei Vincenzo vom Amtshaus Buchholz durften die Kleinen und Großen das kunstvolle Malen von Pflanzen entdecken. Und wer Hunger auf mehr bekam, fand bei Tlayolan, unserer mexikanischen Kulturinitiative, nicht nur die besten Tacos, sondern auch den perfekten Workshop. Die Verbindung zur Milpa auf unserem Acker wurde hier greifbar – eine kulinarische Reise mitten in Nordpankow. 

Zu sehen ist eine Person mit einem gefüllten Taco auf einem Papierteller in der Hand Das Ergebnis des Workshops von Tlaloyan: Leckere Tacos!

Begeistert hat auch wie immer das Wurmzelt, unsere Bodenforschungsstation und aktuell auch Tonstudio für Tausendfüßler, Milben und Springschwänze. Für alle, die ihre Stimme erheben wollten, bot der Weltacker-Jugendrat mit Unterstützung der Künstlerin Daniela Zambrano Almidón die Möglichkeit, ein Demobanner zu gestalten. Ein aktiver Moment für unsere junge Generation. 

Zu sehen sind Jugendliche und Kinder auf einer Wiese, die Pappen bunt bemalen. Im Hintergrund sind mehrere Stände zu sehen. Workshop mit dem Weltacker Jugendrat und der Künstlerin Daniela Zambrano Almidón. Es wurden Protestschilder für eine gesunde Ernährung für alle und bessere Ernährungsbildung gebastelt.

Wer den Acker hingegen klassisch erkunden wollte, nahm an den Ackertouren teil – erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Unter der Leitung von Lea erkundeten die Teilnehmer:innen, wie der Weltacker seinen Namen erhielt: Er stellt die Fläche dar, die jedem Menschen auf der Erde zustehen würde, wenn wir die global verfügbare Ackerfläche gleichmäßig aufteilen würden. Die Tour gab einen Überblick über die Einteilung der Kulturen auf dem Acker. Besonders spannend war das interaktive Flächenbuffet-Spiel, das zeigte, wie viel Platz verschiedene Lebensmittel benötigen. Ein Burger mit Brötchen, Tomate, Zwiebel, Patty, Hähnchenkeule, Käse und Milch verdeutlichten: Tierische Produkte brauchen am meisten Fläche – ein zentrales Thema der globalen Landwirtschaft. Vor dem Maisfeld lernten wir, dass dieser seit 8.000 Jahren in verschiedensten Farben kultiviert wurde, heute aber gelber, genetisch modifizierter Mais die Supermarktregale dominiert. 60 % werden zu Tierfutter, 20 % zu Biodiesel verarbeitet. Die Schweinskulpturen auf dem Acker verdeutlichen, dass es genau 2.000 m² braucht, um zwei Schweine auf Schlachtgewicht zu bringen  – das deckt nicht einmal den Fleischbedarf von sechs Menschen in Deutschland für ein Jahr. Ein eindrückliches Beispiel für den Flächenverbrauch unserer Ernährung. Weiter liefen wir zu den Gemüseflächen und Lea erzählte uns, dass Salate, Zwiebeln, Zucchini, Tomaten und Gurken oft unter Folientunneln wachsen und diese Anbauflächen so groß sind, dass sie in Regionen wie Almería in Spanien sogar auf Satellitenbildern sichtbar werden. Auch die Tanzgruppe Tänzer ohne Grenzen und unsere Gästen aus Accra, Ghana begleiteten die englische Tour und bereitete sich im Anschluss in einer offenen Probe auf ihren Auftritt „THE WATER BETWEEN US" vor. 

Zwischendurch gaben Stadträtin Manuela Anders-Granitzki und Lars Bocian (CDU) weitere wichtige Impulse. Sie betonten eindringlich, wie essenziell außerschulische und Ernährungsbildung für unsere Gesellschaft sind. Der Weltacker ist aus Nordpankow nicht mehr wegzudenken. Ihre Botschaft war klar: Um diesen Ort und unsere demokratischen Werte zu schützen, ist es wichtig, zur Wahl zu gehen und den Wahlkreis nicht radikalen Kräften zu überlassen. Ein Aufruf zur Verantwortung, der im Geist unseres Gartens verwurzelt ist. Wir sind auch schon sehr gespannt auf das Wachsen der Beerensträucher, Herr Lars Bocian hat uns von seinem grünen Daumen erzählt und sofort tatkräftig, wie auch Frau Manuela Anders-Granitzki angepackt.

Zu sehen sind blau gekleidete Tänzerinnen und Tänzer auf einer Wiese in Aktion, im Hintergrund große Bäume. Highlight bei der Saisoneröffnung: „THE WATER BETWEEN US" von den Tänzer:innen ohne Grenzen

Der absolute emotionale Höhepunkt des Tages folgte mit der Vorstellung und Aufführung des Tanztheaterprojekts „THE WATER BETWEEN US" von den Tänzer:innen ohne Grenzen. Das Stück, das die Verbindung zwischen Accra & Ghana und Berlin & Deutschland durch das Thema Wasser und Gerechtigkeit erforscht, bewegte alle Anwesenden sehr. Es war kein bloßer Auftritt, sondern eine gemeinsame Reflexion darüber, was uns verbindet und wie wir gemeinsam ökologischen Herausforderungen gegenüber treten können.

Ein leichter, lebhafte und unglaublich inspirierender Tag ging zu Ende. Wir danken allen, die gekommen sind, mitgemacht, gepflanzt, getanzt und diskutiert haben. Danke an Jana, an alle Politikerinnen und Politiker, an Tlayolan, Vincenzo, die Bibliotheken und vor allem an die Tänzer:innen ohne Grenzen. 

Lasst uns diesen “NICE VIBE“ in die kommende Saison tragen! 

Liebe Grüße vom Weltacker 

Katharina