Zwischen Saatgut, Stachelbeeren und bedrohten grünen Oasen

Erstellt von Gesine Schaumann -

Es gibt diese Wochenenden, nach denen man müde nach Hause fährt – aber gleichzeitig voller Energie ist. Genau so war das Fest “Späth'er Frühling” am 9. und 10. Mai in der Späth’schen Baumschule.

Zwischen alten Bäumen, blühenden Pflanzen und tausenden Besucher*innen standen wir gemeinsam mit dem Weltladen Baumschulenweg an unserem Infostand und kamen mit unglaublich vielen Menschen ins Gespräch. Über Landwirtschaft. Über globale Gerechtigkeit. Über Böden, Ernährung und darüber, warum Orte wie der Weltacker heute wichtiger sind denn je.

Viele blieben erst nur neugierig stehen – und waren dann plötzlich mittendrin: Beim Saatgut-Raten wurde diskutiert, geraten und gelacht, Kinder bastelten mit Begeisterung kleine Herbariumskarten und immer wieder entstanden Gespräche darüber, wie unsere Ernährung eigentlich mit dem Rest der Welt zusammenhängt.

Besonders schön war zu sehen, wie viele Menschen an den offenen Ackerführungen teilgenommen haben. Fast 30 Besucher*innen liefen mit uns über den Acker, stellten Fragen, erzählten eigene Erfahrungen und entdeckten mitten in Berlin einen Ort, an dem globale Zusammenhänge plötzlich ganz konkret werden.

 

Ein Moment blieb vielen besonders im Kopf: Oliver Igel , Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, pflanzte auf dem Acker einen Stachelbeerstrauch. Ausgerechnet an einem Ort, der bedroht ist. Denn mitten in diese grüne Oase der historischen Späth’schen Baumschule könnten bald 4- bis 8-stöckige Gebäude gebaut werden, wenn der Senat Mitte Juni dem Bauvorhaben zustimmt. Dass so viele Menschen diese Pläne nicht einfach hinnehmen wollen, macht Hoffnung: Über 8.000 Menschen haben die Petition gegen die Bebauung unterschrieben – und dass, obwohl sie erst am 8. Mai gestartet wurde. 

 

Auf der Bühne haben wir dazu klar gesagt:

"Der Weltacker ist ein grüner Lernort für alle Berlinerinnen und Berliner, der globale Landwirtschaft und die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Klima und dem weltweit knappen Gut des fruchtbaren Bodens erfahrbar macht. Weil der sorgsame Umgang mit landwirtschaftlichen und ökologisch wertvollen Flächen weltweit unser Thema ist, setzen wir uns für den Erhalt solcher Flächen im urbanen Raum ganz besonders ein. Historische Orte wie die Späth’sche Baumschule sind unersetzlich und müssen als Bildungs- und Naturräume geschützt werden.

Es wäre fatal, solch hochwertige Flächen im dicht bebauten Berlin zu versiegeln. Wir setzen uns daher entschieden dafür ein, dass die Flächen der Späth’sche Baumschule erhalten bleiben und nicht der Bebauung geopfert werden. Der Weltacker Berlin spricht sich klar gegen die aktuellen Bebauungspläne des Senats aus."

Neben all den Gesprächen wurde es auch ganz praktisch: Beim Wasserworkshop präsentierten wir die Ollas – eine einfache, geniale und wassersparende Bewässerungsmethode, bei der sich die Pflanzen unterirdisch selbst mit Wasser versorgen können.

Für uns war dieses Wochenende viel mehr als nur ein Fest. Es war ein Ort voller Begegnungen, Austausch, Fragen, Ideen und gemeinsamer Sorge um die Zukunft unserer grünen Räume. Danke an die Späth’sche Baumschule für die Einladung, die Organisation und dafür, dass wir immer wieder Teil dieses besonderen Wochenendes sein dürfen.

 

Wer diesmal nicht dabei sein konnte: Die nächsten offenen Führungen in der Späth’schen Baumschule finden am 13. Juni, 18. Juli und 15. August jeweils um 10 Uhr statt – kostenlos und ohne Voranmeldung.