Am Samstag, den 14. März 2026, verwandelte sich die Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e. V. in Pankow in einen lebendigen Ort des Austauschs und der Inspiration. Von 14 bis 18 Uhr fand hier, direkt neben dem Weltacker, unsere diesjährige Saatgutbörse statt – eingebettet in den Deutschen Naturschutztag und ganz unter dem Motto „Wasser verbindet – weltweit“. Rund 180 Besuchende folgten unserer Einladung, um Saatgut zu tauschen, neues Wissen zu sammeln und sich für die Erhaltung alter Sorten zu begeistern.
Die Saatgutbörse war in diesem Jahr besonders vielfältig. Zahlreiche Initiativen und Projekte präsentierten ihre Arbeit und zeigten, wie wichtig der Erhalt alter Sorten für unsere Zukunft ist. Tlayolan, das Berliner Mais- und Milpa-Projekt, brachte gentechnikfreie, alte mexikanische Maissorten mit, die seit 2012 auf dem Weltacker auf traditionelle Weise angebaut werden. Das SaatGut-Erhalter-Netzwerk Ost stellte alte Gemüsesorten vor, die sie in Sammlungen und Genbanken wiederentdecken, um die Biodiversität auf dem Acker zu steigern und alte Sorten zurück auf unsere Teller zu bringen und zu erhalten. Mit dabei waren auch Ma.Deli Food, die mit einem Löffel-Menü und alten Linsen-, Reis- und Hirsesorten aus Südindien zeigten, wie traditionelle Anbaumethoden und globale Solidarität Hand in Hand gehen.
Für alle, die selbst gärtnern möchten, gab es samenfestes Saatgut von Sativa und Bingenheimer, während die Leihsämerei und der Berlin-Brandenburg Naturgartenverein e. V. regionales Saatgut und Wissen zu naturnaher Gartengestaltung und Wildpflanzen teilten. An unserem Infotisch konnten Besuchende mehr über das Projekt „Wasser verbindet – weltweit“ erfahren. Selbst die Politik zeigte Interesse: Lars Bocian, Mitglied des Abgeordnetenhauses für Pankow (CDU), war vor Ort, um sich über die Bedeutung von Saatgutvielfalt auszutauschen.
Ein besonderes Highlight war die Ackertour mit unserer gärtnerischen Leitung Judith. Um 15 Uhr führte sie die Besuchenden über den Weltacker und erklärte den Anbauplan 2026. Dabei gab es viel zu entdecken: Die kleinen Knöllchen an den Wurzeln der Sojabohnen, die imposante Bananenpflanze und das Flächenbuffet, das veranschaulichte, wie viel Platz fleischhaltige Gerichte wie eine Salamipizza im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen benötigen. Judith zeigte auch, warum die Planetary Health Diet nicht nur gesund, sondern auch planetenfreundlich ist.
Im Anschluss konnten die Besuchenden zwei spannenden Vorträgen lauschen: Gerd Carlsson sprach über wassersparende Bewässerungsmethoden, während Sinay Gandenberger die Deregulierung der Neuen Gentechnologien und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft beleuchtete.
Für die Familien gab es Mitmach-Aktionen wie das Herstellen von Seedballs – kleinen Samenbomben, die später Blumenwiesen oder Gemüsebeete bereichern. Auch Oyas, traditionelle Bewässerungskrüge aus Ton, wurden gemeinsam hergestellt, um zu zeigen, wie Wasser effizient genutzt werden kann.
Saatgutbörsen sind weit mehr als ein einfacher Tauschmarkt. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität und stärken unsere Ernährungssysteme. Alte, widerstandsfähige Sorten helfen uns, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und machen uns unabhängiger von industrieller Monokultur. Jeder Same, der getauscht oder weitergegeben wird, ist ein Schritt hin zu einer vielfältigeren und nachhaltigeren Landwirtschaft.
Nach einem intensiven und inspirierenden Tag ließen wir den Abend mit hausgemachten Semmelknödeln und einem leckeren Kohlgericht von Bollenpiepe ausklingen. Ein herzliches Dankeschön geht an die Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e. V. für die Gastfreundschaft und die tolle Zusammenarbeit!
Habt ihr die Saatgutbörse verpasst?
Kein Problem! Schaut in unseren Veranstaltungskalender – wir planen bereits die nächsten Veranstaltungen. Und wenn ihr auf dem Weltacker mitgärtnern wollt, meldet euch gerne bei uns!
Gemeinsam säen wir Vielfalt – für eine lebendige und nachhaltige Zukunft.