Nice Vibe!!! – sagte eine neue Freiwillige aus Peru zu mir, als ich sie gefragt habe, wie sie den Tag empfindet. Am frühen Nachmittag startete unsere Saisoneröffnung nicht nur mit einem bunten Programm, sondern mit einer klaren Botschaft: Globale Zusammenhänge lassen sich nicht nur lernen, sie müssen erlebt werden.
Die Moderation von Jana Siedenhans führte den Nachmittag mit einer seltenen Mischung aus Lebendigkeit, Wärme und Herz durch das Programm. Sie schuf sofort eine Atmosphäre, in der sich alle willkommen fühlten – ob alt oder jung, neue oder langjährige Anhänger:innen des Weltackers.
Nach der Vorstellung des Programms übernahm MdB Juliane Schneider (Grüne) das Wort. Ihr Grußwort berührte: Sie zog eine kraftvolle Linie von unserem kleinen Acker in Pankow zur globalen Textilindustrie und den dort herrschenden Ungerechtigkeiten. Mit Bezug auf ihren kürzlichen Besuch in Bangladesch machte sie deutlich: Man weiß vieles theoretisch, doch erst das Sehen und Erleben treibt uns zum Handeln an. Der Weltacker ist genau dieser Ort des Erlebens. Dass sie ihre Worte nicht nur sprach, sondern symbolisch handelte, indem sie – genau wie die anderen Politiker:innen an diesem Tag – einen Beerenstrauch pflanzte, war ein starkes Signal für unser gemeinsames Wachstum.
Doch dann ging es erst richtig los! Die Bibliotheken Pankow zauberten mit einer Kinderbuchlesung Lachen und Staunen in die Runde. Bei Vincenzo vom Amtshaus Buchholz durften die Kleinen und Großen das kunstvolle Malen von Pflanzen entdecken. Und wer Hunger auf mehr bekam, fand bei Tlayolan, unserer mexikanischen Kulturinitiative, nicht nur die besten Tacos, sondern auch den perfekten Workshop. Die Verbindung zur Milpa auf unserem Acker wurde hier greifbar – eine kulinarische Reise mitten in Nordpankow.
Begeistert hat auch wie immer das Wurmzelt, unsere Bodenforschungsstation und aktuell auch Tonstudio für Tausendfüßler, Milben und Springschwänze. Für alle, die ihre Stimme erheben wollten, bot der Weltacker-Jugendrat mit Unterstützung der Künstlerin Daniela Zambrano Almidón die Möglichkeit, ein Demobanner zu gestalten. Ein aktiver Moment für unsere junge Generation.
Wer den Acker hingegen klassisch erkunden wollte, nahm an den Ackertouren teil – erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Unter der Leitung von Lea erkundeten die Teilnehmer:innen, wie der Weltacker seinen Namen erhielt: Er stellt die Fläche dar, die jedem Menschen auf der Erde zustehen würde, wenn wir die global verfügbare Ackerfläche gleichmäßig aufteilen würden. Die Tour gab einen Überblick über die Einteilung der Kulturen auf dem Acker. Besonders spannend war das interaktive Flächenbuffet-Spiel, das zeigte, wie viel Platz verschiedene Lebensmittel benötigen. Ein Burger mit Brötchen, Tomate, Zwiebel, Patty, Hähnchenkeule, Käse und Milch verdeutlichten: Tierische Produkte brauchen am meisten Fläche – ein zentrales Thema der globalen Landwirtschaft. Vor dem Maisfeld lernten wir, dass dieser seit 8.000 Jahren in verschiedensten Farben kultiviert wurde, heute aber gelber, genetisch modifizierter Mais die Supermarktregale dominiert. 60 % werden zu Tierfutter, 20 % zu Biodiesel verarbeitet. Die Schweinskulpturen auf dem Acker verdeutlichen, dass es genau 2.000 m² braucht, um zwei Schweine auf Schlachtgewicht zu bringen – das deckt nicht einmal den Fleischbedarf von sechs Menschen in Deutschland für ein Jahr. Ein eindrückliches Beispiel für den Flächenverbrauch unserer Ernährung. Weiter liefen wir zu den Gemüseflächen und Lea erzählte uns, dass Salate, Zwiebeln, Zucchini, Tomaten und Gurken oft unter Folientunneln wachsen und diese Anbauflächen so groß sind, dass sie in Regionen wie Almería in Spanien sogar auf Satellitenbildern sichtbar werden. Auch die Tanzgruppe Tänzer ohne Grenzen und unsere Gästen aus Accra, Ghana begleiteten die englische Tour und bereitete sich im Anschluss in einer offenen Probe auf ihren Auftritt „THE WATER BETWEEN US" vor.
Zwischendurch gaben Stadträtin Manuela Anders-Granitzki und Lars Bocian (CDU) weitere wichtige Impulse. Sie betonten eindringlich, wie essenziell außerschulische und Ernährungsbildung für unsere Gesellschaft sind. Der Weltacker ist aus Nordpankow nicht mehr wegzudenken. Ihre Botschaft war klar: Um diesen Ort und unsere demokratischen Werte zu schützen, ist es wichtig, zur Wahl zu gehen und den Wahlkreis nicht radikalen Kräften zu überlassen. Ein Aufruf zur Verantwortung, der im Geist unseres Gartens verwurzelt ist. Wir sind auch schon sehr gespannt auf das Wachsen der Beerensträucher, Herr Lars Bocian hat uns von seinem grünen Daumen erzählt und sofort tatkräftig, wie auch Frau Manuela Anders-Granitzki angepackt.
Der absolute emotionale Höhepunkt des Tages folgte mit der Vorstellung und Aufführung des Tanztheaterprojekts „THE WATER BETWEEN US" von den Tänzer:innen ohne Grenzen. Das Stück, das die Verbindung zwischen Accra & Ghana und Berlin & Deutschland durch das Thema Wasser und Gerechtigkeit erforscht, bewegte alle Anwesenden sehr. Es war kein bloßer Auftritt, sondern eine gemeinsame Reflexion darüber, was uns verbindet und wie wir gemeinsam ökologischen Herausforderungen gegenüber treten können.
Ein leichter, lebhafte und unglaublich inspirierender Tag ging zu Ende. Wir danken allen, die gekommen sind, mitgemacht, gepflanzt, getanzt und diskutiert haben. Danke an Jana, an alle Politikerinnen und Politiker, an Tlayolan, Vincenzo, die Bibliotheken und vor allem an die Tänzer:innen ohne Grenzen.
Lasst uns diesen “NICE VIBE“ in die kommende Saison tragen!
Liebe Grüße vom Weltacker
Katharina